Düstere Zukunft für chronisch Kranke?
Seit dem 1. Januar 2008 gibt es eine Änderung der Gebührenordnung für Hausärzte in der gesetzlichen Krankenversicherung. Danach werden Hausärzte für ihre Leistungen in einem größeren Umfang pauschal vergütet, als das bisher der Fall war. Der ökonomische Anreiz für den Arzt, sich ausreichend um den Patienten zu bemühen, ist durch diese Regelung nicht mehr gegeben. Zusätzlich könnte sich die Lage für die Betroffenen noch verschlechtern, wenn die Chronikerprogramme (DMP) zum Jahresende vertraglich auslaufen und keine adäquate Alternative in Sicht ist.
Mit der bundesweiten Neustrukurierung der EBM (einheitlicher Bewertungsmaßstab) für Hausärzte muss sich, überspitzt ausgedrückt, die Qualität ärztlicher Behandlung künftig mehr denn je in Frage stellen lassen. Die Leistungen für chronisch Kranke werden seit Jahresbeginn nur noch pauschal vergütet, wobei der erste Kontakt mit dem Patienten bereits mit der Hälfte des Pauschalbetrages abgegolten wird. Für die weitere Leistungshonorierung reichen sogar Telefonate mit dem Patienten aus. Auch die diabetologischen Schwerpunktpraxen kämpfen um eine leistungsgerechte Honorierung und letztendlich um ihren Bestand: sie erhalten für einen erheblich höheren Zeitaufwand, als ihn die Hausarztpraxen in der Regel aufbringen müssen, über den DMP-Zuschlag hinaus nur einen Teil dieser Pauschale. Dr. Matthias Kaltheuner vom Bundesverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen Nordrhein findet diese Fehlsteuerung äußerst bedenklich: „Belohnt wird, wer sich nicht kümmert. Bestraft wird, wer sich um Kranke mehrfach im Quartal bemüht.“ Kaltheuner unterstellt seinen Kollegen zwar weiterhin gute Behandlungsabsichten, wehrt sich aber dagegen, dass dieser Steuerungsmechanismus sich nicht an Leistungsgerechtigkeit, sondern an der Gewissenslage der Leistungserbringer orientiert.
Um diesem Dilemma halbwegs entgegenwirken zu können, bedarf es entsprechender Chronikerprogramme, so Kaltheuner: “Diese bieten andere Chancen durch regionale Vereinbarungen.“ Doch auch hier droht den Betroffenen bald Ungemach, denn die den Chronikerprogrammen (Disease Management Programme) zugrunde liegenden Verträge laufen Ende 2008 aus. Damit wäre einer Aufweichung bestehender Behandlungsstandards und Qualitätsbestrebungen Tür und Tor geöffnet.
So stellt sich dem verunsicherten Patienten zwangsläufig die Frage, was der Gesetzgeber damit bezwecken wollte. Denn eine schlechtere Versorgung würde das Pflänzchen Prävention im Keim ersticken und die Folgekosten im System - ganz entgegen der gesetzgeberischen Absicht - deutlich in die Höhe treiben. Düstere Aussichten, für alle Beteiligten.
U.B.