DDB fordert eine bessere Versorgung in der Diabetestherapie

Diabetes ist eine Volkskrankheit, von der inzwischen über acht Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind und deren Behandlung hohe Kosten verursacht. Experten schätzen die Dunkelziffer der Betroffenen, die bereits erkrankt sind, aber deren Erkrankung noch nicht diagnostiziert wurde, auf weitere zwei Millionen Menschen. Tendenz steigend. Wird die Er-krankung nicht optimal therapiert, drohen dem Patienten Folgeerkrankungen wie beispiels-weise Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Nierenversagen oder Fußkomplikationen bis hin zur Amputation. Die Behandlung dieser Folgeerkrankungen schraubt die Kostenspirale im Gesundheitswesen entsprechend in die Höhe. Daher fordert der Deutsche Diabetiker Bund (DDB), der die Interessen der Menschen mit Diabetes vertritt, schon lange und eindringlich eine präventiv und individuell ausgerichtete optimale Versorgung der Betroffenen.

In einem Gespräch äußert sich der Vorsitzende des DDB Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Martin Hadder, zu der Entwicklung in der Diabetes-Versorgung.

Herr Hadder, was verstehen Sie unter einer individuellen optimalen Versorgung in der Dia-betes-Therapie? Und wer ist Ihrer Meinung nach dafür verantwortlich, dass diese Versor-gung den Patienten nicht erreicht?

Jeder Mensch ist individuell. Verschiedene Entscheidungen des Gemeinsamen Bundesaus-schusses (G-BA), die auf nicht zutreffende Bewertungsergebnisse von Therapien und Leis-tungen durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zurückzuführen sind – Budgetierungen ärztlicher Leistungen und Rabattverträge – hindern den Arzt daran, die nach seiner Auffassung geeignete Therapie für seine Patienten anzuwen-den. Bei der Bewertung durch das IQWiG sind die Erfahrungen der Betroffenen völlig igno-riert worden.

Viele Patienten haben den Eindruck, dass es nicht um den Nutzen, sondern zunehmend nur um die Höhe der Kosten von Medikamenten oder Hilfsmitteln in der Versorgung geht, was eine Einschränkung in der Verordnung zur Folge hat. Immer mehr Patienten zahlen bei-spielsweise die Teststreifen zur Blutzuckermessung selbst.

Der Deutsche Diabetiker Bund hat schon immer kritisiert, dass in den letzten Jahren durch die Bewertung von Arzneimitteln und Therapien durch das IQWiG ein Preiskampf gegen die Pharmaindustrie geführt wird, der auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen wird. Wir befürchten daher, dass zukünftig Patienten vom Fortschritt in der Versorgung ausgeschlossen werden. Schon heute werden 25 Prozent der Testmedien für die Selbstkontrolle der Diabetiker von den Betroffenen selbst bezahlt.

Was müsste sich nach Ihrer Meinung im Gesundheitswesen ändern, damit zukünftig Diabeti-ker oder chronisch Kranke in Deutschland besser versorgt werden?

Durch die Bewertungsmethoden des IQWiG und deren Ergebnisse entsteht bei den Betroffe-nen der Eindruck, dass nach der Devise verfahren wird, Kosten senken zu wollen um jeden Preis, koste es, was es wolle. Nach meiner Auffassung muss die Qualität der Versorgung wie-der in den Vordergrund gerückt werden. Es gibt für alle Krankheitsbilder eine Fachgesell-schaft, die auch entsprechende Behandlungsleitlinien erarbeitet hat. Ich bin der Überzeugung, dass durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Kostenträgern, Fachgesellschaften und Betroffenen eine bessere und effektivere Versorgung bei gleichen Kosten möglich ist. UB