Blind durch Zuckerkrankheit!

Ein Portrait von Diana Droßel
Diabetesbeauftragte des DBSV e.V.

Auch Diana Droßel ist blind als Folge der Zuckerkrankheit. Seit zwanzig Jahren kann sie nichts mehr erkennen. "Ich sehe alles grau, nur wenn ich mich heftig stoße, dann sehe auch ich noch Sterne!" Ihren Humor hat Diana Droßel behalten oder - besser gesagt - wiedergefunden. Ein Jahr hat es damals gedauert von den ersten Symptomen der Augenkrankheit bis zur völligen Erblindung: "Am Anfang ging es mir nur schlecht. Das größte Problem war: Als Sehende kann man sich einfach nicht vorstellen, wie es sein wird, blind zu sein, wie es weitergehen soll. Es mag sich merkwürdig anhören, aber mir ging es erst wieder besser, nachdem ich vollständig blind war."

Diät im Kampf gegen Diabetes
Diana Droßel war damals 24 Jahre alt und Krankenschwester. Diabetes hatte sie seit ihrer frühesten Kindheit - das war für sie allerdings kein großes Problem, nur unangenehm: "Wenn ich an die Zeit zurückdenke, denke ich vor allem an viel Kartoffeln und in Wasser gekochtes Gemüse. Ich bin in den sechziger und siebziger Jahren groß geworden. Da bedeutete Diabetes für die Patienten vor allem: Strenge Diät!" Damit sollten die Diabetiker vor den gravierenden Folgeschäden der Krankheit bewahrt werden: Nierenerkrankungen, Nervenfunktionsstörungen, die bis zu einer Amputation führen können, und Augenerkrankungen können durch die Diabetes verursacht werden.

Das Diät-Prinzip funktionierte zunächst auch bei Diana Droßel. "Mit vierundzwanzig hatte ich noch keine Folgekrankheit. Doch dann ging alles ganz schnell. Ich glaube heute, es lag auch daran, dass ich während meiner Zeit als Krankenschwester an Hepatitis erkrankt bin und mein Körper dadurch einfach geschwächt war." Denn dass sie innerhalb eines Jahres vollständig erblindete, ist nicht typisch für den Verlauf der Krankheit. Bei vielen Patienten kann man die Augenkrankheit aufhalten oder der Erblindungsprozess zieht sich über mehrere Jahre.

Mit viel Übung zur Selbständigkeit
 
"Nachdem ich vollständig blind war, bin ich zunächst in eine Rehabilition gekommen. Und da wurde mit ganz schnell klar: Jetzt heißt es üben, üben, üben, damit man wieder selbständig wird. Ich habe täglich zwei Stunden mit dem Langstock für Blinde trainiert, bin damit durch die Straßen gelaufen. Ganz wichtig war auch, die Punktschrift zu lernen: Ich war ja praktisch wieder Analphabetin." Mit viel Willen, aber auch gestärkt durch ihre Erfolge, fasste Diana Droßel wieder neuen Lebensmut. Sie schulte um, arbeitete als Diabetiker-Beraterin und lernte als blinde Frau ihren Mann kennen. Mit ihm vorneweg ist sie im Urlaub sogar schon 2.500 Kilometer Rad gefahren - auf dem Tandem.

Kochen und Backen für Blinde
Heute engagiert sich Diana Droßel im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Mit ihren Erfahrungen hilft sie denen, die demnächst blind werden oder stark sehbehindert sind. Denn sie kennt viele Tricks: Zum Beispiel wie Blinde ihren Haushalt organisieren können. "Ich bin ein sehr ordentlicher Mensch, dass macht vieles einfacher. Doch es gibt auch einfache Hilfsmittel: Ich koche selbst und habe beispielsweise meine Gewürzgläser mit Punktschrift beklebt. Mein Mann hat mir am Temperaturregler vom Herd mit einem Konturenstift Markierungen angebracht. So kann ich beim Backen selber die Gradzahl einstellen."

Das Leben "im Griff!"
Aber es gibt auch viele technische Hilfsmittel - etwa eine sprechende Waage oder ein Farberkennungsgerät. "Das ist besonders praktisch. Das sagt mir genau, um welchen Farbton es sich handelt. Damit kann ich Wäsche sortieren, oder mir morgens die Kleidung zusammenstellen. Es sagt mir aber auch, wer im Urlaub brauner geworden ist - mein Mann oder ich." Diana Droßel hat ihr Leben im Griff. Sie zeigt, dass sie die Welt zwar grau sieht, aber nicht grau empfindet.

Stand: 16.05.04   

Quelle: www.wdr.de

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