Die Langeoog-Freizeit 2002

 

Ein Erlebnis- und Erfahrungsbericht von Astrid Inkmann

 

Früh aus den Federn und bis um 07.30 Uhr am Duisburger Wedaustadion / Haupttribüne sein. Der Bus ist schon da, kaum nachdem wir uns bei unserer Ansprechpartnerin gemeldet haben. Die Koffer werden verladen und los geht’s – vorerst nach Dortmund, wo die letzten, unter strömendem Regen, zusteigen. Die anderen sitzen schon seit Köln im Bus. Endlich geht die Fahrt weiter. Wir sind auf dem Weg zu unserem Ziel: Langeoogeine kleine, gemütliche Insel in der Nordsee.

 

Gegen 17.30 Uhr kommen wir an. Es war eine anstrengende Fahrt und jeder der 40 Jugendlichen und 5 Betreuer will sich so schnell wie möglich ausruhen. Also los: Zimmerverteilung. Aber schon folgt der erste Schreck: Die Betten in den teilweise viel zu kleinen Zimmern entsprechen überhaupt nicht unseren Vorstellungen. Wir versuchen, das Beste aus unserer Lage zu machen. Wir halten uns sehr oft draußen auf – bei dem schönen Wetter, das meistens herrscht, ist das auch kein Wunder.

 

Die große Gruppe wird öfter für verschiedene Unternehmungen geteilt. Einige spielen Tischtennis, andere shoppen oder schwimmen im Meer. Die netten Betreuer versuchen sich nach den Interessen ihrer Schützlinge zu richten. Sie sammeln Vorschläge und lassen jeden, der sich für das jeweilige Angebot interessiert, seinen Namen in die Anmeldeliste eintragen.

 

Die Termine werden gesucht, doch alles lässt sich in den zwei Wochen, die wir hier verbringen, nicht unterbringen. Am Abend planen die Betreuer den nächsten Tag. Ein ganzer Strandtag steht auf dem Programm. Bei dem Sonnenschein ist das ein Traum. Am Strand macht jeder das, was er machen möchte: Der Eine liest ein Buch, der Andere sonnt sich, bis er richtig braun ist (oder einen Sonnenbrand bekommt), noch wieder andere hören dem Betreuer, der gerade mit einem versuchten türkischen Akzent aus einer Mädchenzeitschrift vorliest, zu und die restlichen Kids ziehen ihr Badezeug an und stürzen sich in die Fluten.

 

Der Nachmittag des folgenden Tages verspricht sehr informativ zu werden. Ein Mitarbeiter der Firma Disetronic, Herr Schwert, hat sich extra auf den Weg gemacht, um uns die Insulinpumpen näher zu bringen. Von diesen sind die Diabetiker schwer begeistert. Ihr Interesse, sich selbst eine solche Pumpe anzuschaffen, steigt, als sie die Möglichkeit bekommen, eine Pumpe, in der sich eine Kochsalzlösung befindet, für einige Tage zu tragen.

 

 

 

Wer will, kann abends zu dritt und ohne Betreuer bis 22.00 Uhr in der Stadt herumlaufen und irgendwelche Kneipen besuchen. Wer dieses Angebot ablehnt, kann sich anderweitig beschäftigen. Die Betreuer hoffen, dass sie ab 23.00 Uhr Ruhe im Haus haben. Doch es gibt ja immer ein paar Leute, die sich nicht an Regeln halten und dann erst nachgeben, wenn man sie dreimal nachdrücklich ermahnt hat. Die meisten schlafen nachts aber doch, denn es gibt ja schließlich schon um 08.00 Uhr morgens Frühstück. Brötchen und Marmelade, Wurst und Käse – alles, was das Herz begehrt. Nach der üppigen Mahlzeit ist die Taschengeldausgabe, damit wir genügend Geld für die teilweise tägliche Shoppingtour haben.

 

Außerdem werden fast jeden Tag Workshops, die von den Betreuern, aber auch von den Jugendlichen, die Spaß daran haben, geleitet werden. Sei es nun ein Tattoo- oder ein Rätselworkshop, ein Sandburgenbauwettbewerb oder ein Selbstverteidigungskurs für unsere Mädels, bei dem zwischendurch auch mal der männliche Betreuer das Opfer spielt – für jeden ist was dabei. Der Sandburgenbauwettbewerb wird zwischen einem Betreuerteam und drei weiteren Teams entschieden. Der Wettbewerb soll zur Übung sein, aber einen Preis gibt es trotzdem für alle: Der wunderschöne Ausblick auf die Nachbarinsel Baltrum.

 

Nach dem Mittagessen wird die Gruppe in drei Interessengruppen eingeteilt. Eine Gruppe geht zum Wellenbad, die zweite macht eine Radtour um die ganze Insel und die dritte Gruppe bleibt in der Herberge und geht lieber ihren eigenen Hobbys nach.

 

Den Abend bekommen die Teenager, wie schon öfter, zur freien Verfügung, allerdings nur bis 21.30 Uhr. Denn dann treffen sich alle am Wasserturm, um weiter zum Strand zu gehen und es sich dort mit Tellerkerzen gemütlich zu machen oder den Himmel zu beobachten.

 

Am nächsten Morgen ist eine Wattwanderung angesagt, denn wenn man schon eine Nordseeinsel besucht, gehört das dazu. Auch der Nachmittag ist schon verplant. Die Freizeitteilnehmer gehen wieder an den Strand und wollen schwimmen, sich sonnen oder Sandburgen bauen.

 

Und zurück in der Herberge wartet auch schon eine Überraschung. Die Betreuer haben es geschafft, eine Halle zu mieten, wo eine riesige Party stattfinden soll. Es macht sehr viel Spaß und viele tanzen bei der guten Musik. Auch wenn viele von Partys nicht genug bekommen können, sind alle froh, als sie sich endlich ins Bett fallen lassen können.

 

Doch zum Schlafen ist nicht viel Zeit, denn wie immer ist das Frühstück auf 08.00 Uhr angesetzt. Schließlich haben wir heute, am letzten Donnerstag der Freizeit, noch viel vor. Am Morgen fahren wir auf dem Kutter zu einer Seehundebank und betrachten diese ausgiebig. Für einige scheint es eher uninteressant zu sein, andere interessiert es dafür um so mehr. Es ist geplant, dass nach dem Mittagessen einige Spiele gespielt werden oder man sich sportlich beschäftigen kann, wie z. B. Tischtennis spielen, am Strand schwimmen zu gehen oder noch mal zu shoppen. Der Abend steht wieder zur freien Verfügung. Wer will, kann sich auch einen Videofilm ansehen.

 

Heute ist es schon Freitag, unser vorletzter Tag. Dieser kann von jedem so gestaltet werden, wie er gerne möchte. Da hat keiner was gegen einzuwenden, denn wir brauchen alle viel Zeit, um unsere Koffer zu packen, in der Stadt Futter- und Leseproviant für die Rückfahrt zu kaufen und noch die letzten Erinnerungsfotos zu schießen. Am Nachmittag besteht noch einmal die Möglichkeit, zum Strand zu gehen oder Basketball zu spielen. Abends findet ein „Bunter Abend“ statt. Dort wird gesungen, getanzt und es haben einfach alle Spaß.

 

Der nächste und der letzte Morgen auf Langeoog ist da. Auch heute gibt es keine Möglichkeit auszuschlafen. Im Gegenteil: Wir müssen sogar noch früher als sonst aufstehen, denn unsere Koffer müssen um 07.30 Uhr fertiggepackt an der Straße stehen, damit diese vom Kofferdienst zur Fähre gebracht werden können. Wir müssen also noch vor dem Frühstück die allerletzten Sachen, d. h. Bettbezüge, Kulturtasche und Ersatzinsulin, in den Koffer packen.

 

Kurz nachdem wir endlich dazu gekommen sind zu frühstücken und uns Lunchpakete einzustecken, setzt sich jeder von uns seinen Rucksack auf den Rücken und los geht’s. Der Weg führt durch die Innenstadt hin zum kleinen Inselbahnhof. Die Bimmelbahn bringt uns zur Fähre. Wir betreten diese und werfen, während die Fähre langsam ablegt und auf das Festland zusteuert, noch einen Blick zurück auf die Insel. Auch wenn sich jeder auf sein vertrautes Heim freut: Ein bisschen tut so ein Abschied immer weh. Auf dem Festland angekommen, mussten wir aufgrund einer Buspanne noch 6 Stunden warten. Endlich ist der Bus da. Wir steigen ein und fahren den langen Weg bis nach Dortmund, Duisburg und Köln, wo wir von unseren Familien erwartet werden.

 


Die Freizeit, die gemeinsam vom Deutschen Diabetiker Bund und dem Jugendferienwerk stattfand, war ein voller Erfolg. Sie hat viel Spaß gemacht und bei der nächsten Freizeit wird es bestimmt viele bekannte Gesichter geben.

 

Wir Betreuer danken Astrid herzlich für diesen interessanten Bericht. Auch wir haben sehr viel Spaß gehabt und werden garantiert im nächsten Jahr wieder eine Freizeit anbieten.

 

Wohin es uns verschlagen wird, ist allerdings noch unklar.

 

Lasst euch überraschen!