Die Haltern-Freizeit 2002

Von Marc Ostermann

Einmal im Jahr verwandelt sich das Freizeitheim Gilwell St. Ludger in Haltern am See zur guten Kinderstube des DDB. Denn jeweils in den Sommerferien verbringen hier die jüngsten Reisenden (im Alter von 9 bis 13 Jahren) zwei erlebnisreiche Wochen.

Neben Ausflügen, klasse Bastelaktionen und einigen sportlichen Höhepunkten stand in diesem Sommer - dank Petrus’ Freundlichkeit - vor allem der Sprung in den hauseigenen Swimmingpool ganz oben auf dem Programm. Denn trotz des Diabetes soll die Haltern-Freizeit keine Kur-Maßnahme sein, sondern vielmehr ein spannendes Urlaubsvergnügen. Das heißt aber nicht, dass die Zuckerkrankheit seitens des erfahrenen Betreuerteams vernachlässigt wird. 

Ein Spiel zum Kennenlernen

Sie soll nur nicht im Mittelpunkt stehen, sondern als selbstverständlicher Teil des Urlaubs verstanden werden. So kommen die Betreuer beispielsweise auch nachts zum Pieksen - wenn dann einer der kleinen Touristen zu niedrig oder zu hoch liegt, wird mit Traubenzucker und Müsliriegel oder einer Extra-Portion Insulin korrigiert.
Am Anfang der Freizeit stand zunächst das Kennenlernen. Denn nicht nur die kleinen Diabetikerinnen waren gespannt, wer außer ihnen noch dabei ist, sondern vor allem die sechs BetreuerInnen. Sie kennen bis zur Anreise nur die medizinischen Infos der Kinder, um so größer ist dann die Spannung bei den ersten Kennenlernspielen, welch kleine Persönlichkeiten da soeben angereist sind.
Während also das erste Wochenende noch im Zeichen des gegenseitigen Beschnupperns stand, startete am Montag gleich der erste Mini-Ausflug. Der DDB lud die Gäste zu einem erfrischenden Eis in die Halterner Innenstadt ein, danach gab es Zeit, die Geschäfte der Fußgängerzone zu erkunden. Einen ersten Höhepunkt stellte zu Beginn der Ausflug in den Freizeitpark „Ketteler-Hof“‘ dar. Diese irre Mischung aus Kirmes, Abenteuerspielplatz und Mitmachpark begeisterte auch in diesem Jahr die zuckersüßen Besucher aufs Neue. Allerdings war es so warm an diesem Ausflugstag, daß schon der kleinste Hopser auf den Mega-Luftkissen eine regelrechte Schweißdusche auslöste.
Etwas bescheidener hingegen zeigte sich Petrus als die DDB-Reisegruppe am Mittwoch der ersten Woche in See stach. Auf Tretbooten wurde der Halterner Stausee erkundet, allerdings mussten die kleinen Matrosen und ihre Betreuer manchmal regelrechte Wettrennen gegen die Regenwolken fahren, die drohend über die Gruppe hinüberzogen. Aber was wäre ein Urlaub ohne Happy-End? Als die Touris wieder in den “Hafen” einfuhren, blinzelte die Sonne wieder vom Himmel. Grund genug, mal in den Pool in Gilwell zu hüpfen... 
Wenn das Wetter aber mal wirklich keine Gnade kannte, oder ein Entspannungstag „zuhause” angesetzt war, herrschte keine Langeweile, dann wurden Gipsmasken gemacht, Stofftiere genäht oder Erinnerungs-T-Shirts gebatikt.
In der zweiten Woche stand neben einem Ausflug in das benachbarte Recklinghausen der zweite Höhepunkt auf dem Programm. In zähen Verhandlungen” mit der Kasse wurde ein „All-Inclusive”-Ticket für den CentrO-Park (Oberhausen) abgeschlossen. Einen Tag lang durften die kleinen Diabetiker jedes Fahrgeschäft und jede Attraktion so oft benutzen, wie sie Lust darauf hatten. Und sie hatten Lust darauf!
Der letzte große Ausflug führte die Gruppe mit der Bahn nach Münster, dort staunten die Ausflügler erst über die viele Tiere im Zoo und schließlich über die vielen Fremdwörter in einer Planetariums-Veranstaltung.
Mit etwas Wehmut sahen dann Betreuer und Kinder dem letzten Freitag entgegen, denn da hieß es Abschied nehmen - und das heißt in dieser Gruppe oftmals im doppelten Sinne „sich verabschieden”.
Da einige der jungen Touristen zwar gerne wieder mitfahren würden (vielleicht in ein paar Jahren auch als Betreuer?), aber aufgrund ihres im kommenden Jahr zu hohen Alters für Haltern nicht mehr dürfen, fallen die „Tschüß-und-Winke-winke“-Einsätze den sechs Betreuern häufig extrem schwer. Denn sie haben in den zurückliegenden Wochen gute und schlechte Zeiten mit ihren Schützlingen durchgemacht, da kullert auf beiden Seiten schon mal ein Tränchen, wenn die Kleinen wieder nach Hause müssen.