Das Diabetes-Info-Mobil des DDB Landesverbandes NRW e.V.

Bilanz und Fakten aus dem Jahre 2003

Seit November 2002 ist das Diabetes-Info-Mobil des DDB Landesverbandes NRW in 111 Einsätzen in ganz Nordrhein-Westfalen unterwegs gewesen. Das Info-Mobil wurde angeschafft, weil der Landesverband NRW und sein Vorstand aufgrund von erschreckenden Studien zu der Überzeugung gelangten, dass zur Vorsorge der Betroffenen und Entdeckung unbekannter Diabetes-Erkrankter dringender Handlungsbedarf für NRW bestand.

Sie stehen zu ihrem Konzept:  Jutta Langenbach, Diabetes-Beraterin DDG und Martin Hadder, Landesvorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen (v. links)


Ein Bericht der Deutschen Diabetes Union (DDU) aus dem Jahr 2003 ergibt folgende Zahlen:

  •  ca. 9 % der Bevölkerung in Deutschland haben Diabetes, ohne es zu wissen

  •  von den Betroffenen erblinden jährlich 3.000 – 4.000

  •  über 30.000 Amputationen werden im Jahr bei Diabetikern gezählt

  •  hohe Zahlen von Nieren- und Augen-Erkrankungen bei Diabetikern

  •  75 % aller Diabetiker sterben frühzeitig an einem Herzinfarkt


Ziel dieser neuen Herausforderung an den Landesverband NRW musste daher sein, aktiv als Deutscher Diabetiker Bund auf die Betroffenen und die Risikogruppen zuzugehen, nach dem Motto: „Wir warten nicht, bis sie als Betroffene(r) zu uns kommen, wir sind schon zu Ihnen unterwegs!“ Nach intensiver Vorarbeit und der Auswertung vergleichbarer Projekte (siehe Info-Mobil Schleswig-Holstein u. Thüringen) wurde beschlossen, ein Fahrzeug auf der Basis des VW LT mit Hochdach anzuschaffen. Viel Zeit und Überlegung wurde in die Planung des Innenaufbaus gesteckt, um möglichst ein funktionales Mobil zu erhalten. Vom Einbau der verschiedenen Schränke, der Sitzgruppe, dem Wetterschutz, den Einstieghilfen über Kühl- bzw. Wärmesysteme musste an alles gedacht werden. Später stellte sich heraus, dass noch viele Kleinigkeiten mitgeführt werden müssen, an die man in der Planungsphase nicht gedacht hatte, wie z. B. Gewichte, um die Überdachung vor Windböen zu sichern, sowie zusätzliche Sitzmöbel, Erste-Hilfe- Material, Besen und Putzmaterial. Die Liste ließe sich endlos verlängern: Klebeband, Absperrhilfen, Zusatzkabel und das möglichst alles in mehrfacher Ausfertigung!


            
Die BKK übergibt das Info-Mobil-NRW!

Neben diesen Überlegungen mussten Sponsoren für die Idee „Info-Mobil-NRW“ gefunden werden. Spontan kam die Zusage des Landesverbandes der BKK in NRW, bei dem wir uns ganz herzlich für die großartige Unterstützung bedanken!

Außerdem wurde festgelegt, das eine hauptamtliche Kraft das Info-Mobil besetzen sollte. Dadurch sollte sichergestellt sein, dass die Anforderungen und Ziele dieser neuen Aufgabe professionell erfüllt werden. Nach der Einstellung einer erfahrenen Diabetes Beraterin (DDG), Frau Jutta Langenbach, konnte das Info-Mobil an den Start gehen.


41.000 km auf Autobahnen, Landstrassen und im Stadtverkehr wurden zurückgelegt. Neben der Unfallhilfe auf der Autobahn, Erste Hilfe nach einem Hundebiss, Steinschlag in der Windschutzscheibe, geplatzter Reifen im tiefsten Winter, Angriff von fliegenden Ameisen auf ein weißes Mobil, Geräteausfall wegen des Jahrhundertsommers und vielem mehr, gab es jeden Tag Neues und oft auch Aufregendes. Das Materiallager wächst täglich.

Um Ihnen einen Eindruck unserer Arbeit zu verschaffen, möchten wir Bilanz ziehen und Zahlen sprechen lassen:


Fakten von 111 Einsätzen:

Es wurden 15.217 Messungen bei 5.515 Personen durchgeführt, davon waren 5.373 Blutzucker-Messungen, 5.178 BMI-Messungen, 3.936 Blutdruck-Messungen und 730 HbA1c  Messungen. 3.861 Personen wurden bei öffentlichen Veranstaltungen (z. B. vor Apotheken) und 1.654 bei firmeninternen Veranstaltungen (z. B. bei der BKK Hoesch) getestet. Je nach Wunsch und Notwendigkeit wurden der Blutzucker, der Body-Mass-Index (BMI), der Blutdruck und ggf. der HbA1c-Wert gemessen. Nicht jede Person nahm an dem kompletten Messprogramm teil. Die Daten werden in einer Datenbank erfasst, sodass eine genaue Auswertung möglich ist.


Tabelle 1: Verteilung nach Geschlecht

Ort der Messungen:

Anzahl
Männer:

Anzahl
Frauen:
Anzahl
gesamt:

Prozent
Männer:

Prozent
Frauen:

öffentlich

1.808 2.053 3.861

47

53

firmenintern

1.036   618 1.654

63

37

gesamt:

2.844 2.671

5.515

Aus der Tabelle ist deutlich abzulesen, dass bei firmeninternen Messungen die prozentuale Anzahl der Frauen niedriger als bei öffentlichen Messungen ist. Wir führen dies darauf zurück, das firmenintern mehr in Betrieben gemessen wurde, deren Männeranteil strukturell höher liegt (z. B. in der Metallindustrie, in Brauereien, o. ä.).


Tabelle 2: Verteilung nach Alter

Ort der Messungen:

Durchschnittsalter:

Altersspanne:

öffentlich

60 Jahre

  4 - 96 Jahre
firmenintern

47 Jahre

16 -70 Jahre

Das Durchschnittsalter liegt bei firmeninternen Messungen deutlich unter dem Durchschnittsalter bei öffentlichen Messungen. Hier spielt wohl eine Rolle, dass tagsüber gemessen wurde, sodass bei öffentlichen Messungen die jüngere, arbeitsfähige Bevölkerung weniger vertreten war oder weniger Interesse an diesen Aktionen hatte. Das Durchschnittsalter aller Messungen lag bei 53,5 Jahren.

 

Auswertung der Blutzucker-Messungen:

 

Tabelle 3: Verteilung von Diabetikern und „Nichtdiabetikern“
Art der Person:

öffentliche Messungen:

firmeninterne Messungen:

Diabetíker 1.011 = 27 %

   188   = 12 %

„Nichtdiabetiker“ 2.746 = 73 %

1.428   = 88 %

gesamt: 3.757

1.616

Anmerkung:
Wir meinen mit „Diabetikern“ Betroffene, bei denen ein Diabetes mellitus ärztlich diagnostiziert wurde. „Nichtdiabetiker“ sind Personen, denen krankhafte Blutzucker-Werte vor der Messung bisher nicht bekannt waren!

 

 5.373 Blutzucker-Messungen wurden insgesamt durchgeführt. 15 % mehr „Nichtdiabetiker“ als bei öffentlichen Messungen wurden bei firmeninternen Veranstaltungen, die auch in Firmenräumen möglich sind (s. Bild links), gemessen. Dies könnte dadurch bedingt sein, dass man durch Gesundheitsvorsorge in Betrieben größere Chancen hat, „Nichtdiabetiker“ zu untersuchen und hier eventuell „unentdeckte Diabetiker“ festzustellen. Die ermittelten Blutzucker-Werte lagen zwischen 21 und 496(!) mg/dl kapillar.

 

Bei 4.174 Personen ohne bekannten Diabetes wurden 248 pathologische Blutzucker-Werte gemessen, das sind 6 %.

 

Tabelle 4: Anzahl pathologischer Blutzucker-Werte 
von 4.174 Messungen („Nichtdiabetiker“)

Gemessener
Zeitpunkt:

Menge pathologischer
Blutzucker-Werte:

nüchtern   19
1 Stunde pp. 128
2 Stunden pp. 101
gesamt: 248

Anmerkung:
pathologisch = krankhaft verändert
pp. (post prandial) = nach dem Essen

 

Der HbA1c Wert wurde insgesamt 473 mal bei bisher unbekanntem Diabetes, aber verdächtigen Blutzucker-Werten oder auffälliger Familienanamnese gemessen.


Tabelle 5: Anzahl pathologischer HbA1cWerte
von 473 Messungen
Ort der Messung: Anzahl
Messungen:

Menge pathologischer
HbA1c-Werte:

öffentlich 203 114 = 56 %

firmenintern

270   62 = 23 %
gesamt: 473 176

Bei 4.174 Blutzucker-Messungen waren 176 HbA1c-Werte pathologisch erhöht, das sind 4 %. Hier wurde dringend zur weiteren Diagnostik geraten. Aus den oben angeführten Werten ergibt sich, dass prozentual der pathologische HbA1c Wert bei firmeninternen Messungen niedriger liegt. Dies ist erklärbar durch das deutlich niedrigere Durchschnittsalter. Das Diabetesrisiko steigt mit höherem Alter.

Auswertung der BMI-Messungen:

Neben den Blutzucker-Werten und dem Alter wurde auch der Body-Mass-Index (BMI) auf freiwilliger Basis ermittelt. Die Werte lagen zwischen 14 und 51. Der Durchschnittswert aller lag bei 27, also im Bereich des Übergewichts.

Damit ist ein extrem höheres Risiko verbunden, an Diabetes und anderen Krankheiten zu erkranken.

Um die Zahlen den Betroffenen zu veranschaulichen und um sie zu dokumentieren, wurden die Ergebnisse im Diabetes-Risiko-Check Formular festgehalten.

Dort sind Normwerte und Tabellen aufgeführt, damit der Getestete seine ermittelten Werte selbst zuordnen kann. Ein Beispiel ist die Tabelle zum BMI:

 

Klassifikation:  Unter-, Normal-, Übergewicht, Adipositas
 (BMI = Body-Mass-Index)

Gewichtsklasse:   Grad:  BMI:
Untergewicht <18,5
Normalgewicht  0 18,5 - 24,9
Leichtes Übergewicht 25,0 - 29,9
Adipositas I 30,0 - 34,9
II 35,0 – 39,9
III  >40,0

(Adipositas = massives Übergewicht)

 

 

Auswertung der Blutdruck-Messungen:

 Eine große Rolle spielt beim Diabetes mellitus und bei steigendem Alter der Blutdruck. Dieser wurde bei 3.936 Personen gemessen.

Tabelle 6: Anzahl der Blutdruck-Messungen
Ort der Messung:

Anzahl der
 Messungen:

öffentlich 2.605
firmenintern 1.331
gesamt:

3.936


Tabelle 7: Anzahl der abweichenden Blutdruck-Werte
Ort der Messung: RR-Wert
systolisch >140:
RR-Wert
diastolisch >85:
öffentlich 1.204 1.258
firmenintern   415    489
gesamt erhöht:

1.619

1.747

Anmerkung:
Als Normwerte wurden systolisch (oberer Blutdruck-Wert)140 mmHG,
diastolisch (unterer Blutdruck-Wert ) 85 mmHG berücksichtigt.
RR = Blutdruck-Wert


Tabelle 8: Anzahl der abweichenden Blutdruck-Werte in Prozent
Ort der Messung: RR-Wert
systolisch >140:
RR-Wert
diastolisch >85:
durchschnittl.
erhöht:
öffentlich   46 %   48 % 47 %
firmenintern   31 %    37% 34 %
durchschnittl. erhöht:

38,5 %

42,5 %


Hieraus kann abgeleitet werden, dass bei den öffentlichen Messungen mit der deutlich größeren Anzahl an Diabetikern und dem höheren Durchschnittsalter der Blutdruck höher liegt als in der Messgruppe „firmeninterne Veranstaltungen“ mit niedrigerem Alter. Aber auch hier liegen 34 % der Gemessenen über dem angestrebten Wert. Ein beunruhigender Wert, der uns zum Handeln veranlassen sollte!

 Obwohl die Wichtigkeit der Blutdruckeinstellung bei Diabetes heute bekannt ist, waren unsere Messungen oftmals im pathologischen Bereich. Natürlich muss man an dieser Stelle berücksichtigen, dass manche Messungen während verschiedener Alltagsbelastungen wie dem Einkaufen, nach dem Arztbesuch, nach einer Autofahrt, während der Arbeitszeit usw. gemessen wurden, in denen der Blutdruck vorübergehend erhöht sein kann.

 

Bei öffentlichen Veranstaltungen wurden sogar 881 Messungen notiert, wo beide (systolischer und diastolischer) Blutdruck-Werte über der Norm lagen. Firmenintern waren es immerhin noch 257 Werte.

 
Erschreckende Zahlen, wenn man bedenkt wie sich das Risiko für das Herz-/ Kreislaufsystem vervielfacht, wenn mehrere Risikofaktoren beim Metabolischen-Syndrom (Wohlstands-Syndrom) vorhanden sind.


Als Resümee dieser ermittelten Werte erhofft sich der DDB Landesverband NRW, dass die Betroffenen den Besuch des Info-Mobils als Anstoß für weitere Diagnostik und Therapie Ihres Diabetes und Ihrer Hypertonie nehmen.


Wir möchten uns an dieser Stelle auch bei allen Helfern vor Ort bedanken, die bei Wind und Wetter die Wartenden vor dem Info-Mobil betreut haben und auch immer mit Rat und Tat zur Seite standen.

Vor allen Dingen konnte man so auf örtliche Gegebenheiten Rücksicht nehmen. Die Hilfe kam dann direkt von Betroffen „vor Ort!“

Besonderer Dank gilt auch allen „Auftrag- und Gastgebern“ des Diabetes-Info-Mobils, den Apotheken, Krankenkassen, Kliniken, Selbsthilfegruppen und Firmen, die unsere Arbeit unterstützt haben.

Wir möchten uns auch bei den Firmen  Abbott,  Ascentia, Braun, Lifescan, Omron, Progen und  Roche Diagnostics für die ständige Unterstützung mit Testmaterial und Geräten bedanken.

 

Wir freuen uns auf weitere „gute“, erfolgreiche Jahre und hoffen Ihnen im nächsten Jahr sinkende Zahlen aufzeigen zu können.

 

Herausgeber;

 DEUTSCHER DIABETIKER BUND

Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

Johanniterstraße 45, 47053 Duisburg
Telefon: 0203 / 6 08 44-0
  Telefax: 0203 / 6 08 44-77
E-Mail:
Diabetikerbund@ddb-nrw.de

 

Autoren:

Jutta Langenbach, Martin Hadder, Johannes Stevens