Zulauf beim Zuckertest
Premiere des Diabetes-Info-Mobils in Löhne / Zwei Verdachtsfälle

VON MARTIN FRÖHLICH

 

Löhne. "Du warst heute die Jüngste und die Mutigste, die sich testen lassen hat", sagt Jutta Langenbach, als sie der siebenjährigen Jana Kristin Budde ein Pflaster auf den Zeigefinger klebt. "Es hat auch gar nicht weh getan", antwortet die Grundschülerin der Diabetes-Assistentin.

 Sagts, sucht sich noch ein paar Luftballons aus und biegt mit Oma Margarete um die Ecke.
 Sie ahnt nicht, dass sie Jutta Langenbach erleichtert zurück lässt: "Ich bin froh, wenn ich den Leuten nach dem Blutzuckertest sagen kann, dass alles in rdnung ist."
 

Zum ersten Mal machte Jutta Langenbach gestern mit dem Mobil des Deutschen Diabetiker-Bundes in Löhne Station. Auf Einladung der Löwenapotheke testete sie an der Königstraße 34 Besucher auf Blutzuckerwert und Blutdruck, beriet vier Diabetiker zur richtigen Ernährung, gab im Fall der Fälle den Rat dringend einen Arzt aufzusuchen. Zweimal war letzteres notwendig.

18 Jahre hat Jutta Langenbach in einer Diabetes-Klinik gearbeitet. Sie weiß: "Es braucht viel Fingerspitzengefühl, wenn man Betroffenen klar machen muss, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an Diabetes leiden." Da mache auch der Diabetes-Typ nur einen kleinen Unterschied. "Sicherlich, ältere Menschen, die an Typ 2 , im Volksmund auch Altersdiabetes genannt,  erkranken, tragen das vielleicht eher mit Fassung, als junge Menschen, die von heute auf morgen mit Typ 1 leben müssen."

Bei Typ 1 sei der Schock durch das plötzliche Auftreten meist größer, doch zeige sich diese Erkrankung früh. "Typ 2 dagegen wird oft erst nach fünf Jahren entdeckt, wenn es bereits erste Folgeschäden gibt", sagt Langenbach. Dass der Typ 2 nicht so ohne weiteres zu entdecken ist, hat sie gerade gestern in Löhne wieder erkennen müssen. Bei einem Besucher Anfang 60 maß sie den Blutzuckerwert und der war in Ordnung. "Doch der Mann hat mir erzählt, dass viele Verwandte an Typ 2 erkrankt sind." Das machte Langenbach stutzig. Sie nahm den Langzeitblutzuckertest vor, der die Werte des vergangenen Vierteljahres über eine Blutkörperchen-Analyse anzeigt. "Und tatsächlich, der Mann war an Typ-2-Diabetes erkrankt."

Bessere Nachrichten erhielten da Margarete Müller (67) und Enkelin Jana Kristin Budde, bei denen Blutzucker und Blutdruck vorbildlich ausfielen. Und weil sich die Siebenjährige so tapfer hatte pieksen lassen, wollte auch der Reporter da in nichts nachstehen. Angesichts des völlig normalen Wertes, der nach wenigen Sekunden auf dem Blutzucker-Messgerät erschien, befiel auch ihn ein Gefühl der Erleichterung.

 
Quelle:
Zeitungsverlag
Neue Westfälische GmbH & Co. KG

Martin Fröhlich, Text und Foto
Lokalredaktion Löhne
11 / 2004