Zur Historie der
Diabetikerversorgung und der Arbeit des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB)
Im Jahre 1931 gab es kein Insulin für Diabetiker und das, obwohl Insulin zur Diabetestherapie bereits bekannt war. Die Therapieempfehlung lautete damals: keine Kohlenhydrate, viel Fett essen und viel schwere körperliche Arbeit. Im Angesicht dieser Bedrohung für Leib und Leben der Diabetiker gründete sich bereits 1931 in Berlin der Deutsche Diabetiker Bund, zunächst als nicht rechts-fähige Vereinigung. Schnell wuchs die Anzahl der Mitglieder damals auf 25.000 Mitglieder an. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Diabetiker Bund zerschlagen. Nach damaliger Meinung sollte das Volk vor den Diabetikern geschützt werden. So sollten z. B. Diabetiker nicht heiraten, keine Kinder bekommen und sich sogar sterilisieren lassen.
Die nachfolgenden Lebensregeln stammen aus den ersten Nachkriegsjahren (1947):

Nach dem 2. Weltkrieg bestand die Sorge, dass aufgrund der Nachkriegsmangel-wirtschaft keine ausreichende Versorgung für die Diabetiker zu erreichen sei. Das Sozialversicherungssystem musste den neuen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen angepasst werden. Unklar blieb, in welchem Maße die Rechte und Belange der Diabetiker berücksichtigt würden. Erst im Jahre 1951 wurde der Deutsche Diabetiker Bund neu gegründet und wurde damit Sprachrohr für die Belange der Diabetiker.
|
·
Robert Beining 1951 – 1956 |
![]() |
||
|
Angefangen hat alles mit Robert Beining: auf ihn
geht der jetzige DDB zurück. Der Stuttgarter Journalist gründete am 2. Januar
1951 mit sechs Mitstreitern den DDB neu. Beining wurde zum Vorsitzenden gewählt
und blieb bis 1956. Danach leitete er die Geschäftsstelle des DDB. Schon im
Dezember 1951 besiegelte Beining die Aufnahme in die Internationale Diabetes
Förderation. Für seine Verdienste erhielt er 1960 durch den Bundespräsidenten
Heinrich Lübke das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik.
|
|||
Die
Bundesvorsitzenden der Folgejahre waren:
·
Dr. Paul Schwenger
1956 – 1958
Dr. Schwenger hat
sich besonders für eine gute Zusammenarbeit mit den Ärzten eingesetzt.
·
Hermann Schaub 1958 – 1961
Sein besonderes
Anliegen war die berufliche Fürsorge. Er wollte Vorurteile abbauen und
Diabetikern die Beamtenlaufbahnermöglichen. In Hessen wurde damals erstmals ein
Diabetiker Beamter.
·
Willy Rottstock 1962 – 1965
Sein Augenmerk galt besonders dem Wirken mit Kindern und Jugendlichen in Form von Erholungskuren, Ferienlager und Jugendaustausch. 1964 führte der DDB erstmalig ein Kinderferienlager durch, an dessen Ende die Eltern eine Diabetes-Schulung mitmachen konnten.
|
·
Heinz Ständer 1965 – 1971 |
![]() |
||
|
Schwerpunkte seiner Arbeit war die Mit-gliedergewinnung
und Schulung von Diabe-tikern, sowie der Ausbau des Erholungs-angebotes für
Kinder und Erwachsene. |
|||
·
Willi Pröpper 1971 – 1972
Er leitete als
Notpräsident den DDB nur für sechs Monate.
·
Dr. Heinz Bürger-Büsing 1972 – 1980
Unter seinem Vorsitz
erfolgte eine Stabilisierung der Finanzen des DDB. Aus eigener Betroffenheit
heraus lagen ihm besonders die Kinder und Jugendlichen am Herzen und errichtete
ohne staatlich Hilfe in Kaiserslautern ein Rehabilitations- und Schulungszentrum
für Kinder.
·
Karlheinz Achenbach 1980 – 1988
Das achte Oberhaupt
des DDB hat 1985 gemeinsam mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) die
Deutsche Diabetesstiftung gegründet. Unter seinem Vorsitz wurde der erste
Deutsche Diabetikertag ausgerichtet. 1984 erhielt er für sein Engagement die
Gerhardt-Katsch-Medaille. Er wurde zudem mit zwei Bundesverdienstkreuzen und
dem Verdienstorden des Landes NRW ausgezeichnet.
|
·
Heinz Jäger 1988 – 1997 |
![]() |
||
| Unter seinem Vorsitz wurde 1990 gemeinsam mit der DDG und dem Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher (BdKJ) die Deutsche Diabetes Union (DDU) gegründet. Er kämpfte für die Einführung des Gesundheitspasses Diabetes und gegen die Zuzahlung für Insulin. | |||
|
·
Dr. Klaus Fehrmann
1997 – 2003 |
|||
| Dr. Fehrmann setzte engagiert die Arbeit seiner Vorgänger und die Weiterent-wicklung der Zusammenarbeit mit der DDU fort. 1998 wurde das erste Grund-satzprogramm des DDB beschlossen. Er vertrat die DDU in der Europa-Abteilung der Internationalen Diabetes-Fördera | |||
|
Heinz Jäger übergibt sein Amt an Dr. Klaus Fehrmann (links) |
|||
·
Volker Krempel 2003 – 2005
Nach dem Tod von Dr. Fehrmann übernahm 2003 Volker
Krempel bis zum Jahre 2005 den Vorsitz.
·
Manfred Wölfert 2005 – 2007
In der Amtszeit gab es viele Verhandlungen zur
Gründung einer neuen Dachorganisation „DiabetesDeutschland“, die leider noch
nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten.
·
Heinz Windisch 2007 – 2009
Sein besonderes Anliegen war, den DDB zu stärken
und zu einer Einheit zu formen, die gemeinsam und aktiv gegen Defizite in der
Versorgung kämpft.
·
Dieter Möhler seit 2009
Bis
zum Jahr 1980 wurden Diabetiker noch nach einem starren Behandlungs-konzept
eingestellt. Der Tagesablauf wurde von pünktlichen Insulininjektionen und
zeitlich vorgegebener Nahrungsaufnahme bestimmt. Die Insulininjektionen
erfolgten noch mit einer Glaskörperspritze, die in regelmäßigen Abständen
ausgekocht werden musste.

1980
wurde dann erstmalig von der UNI-Klinik in Düsseldorf unter der Leitung von
Professor Berger
† ein
„strukturiertes
Schulungsprogramm für Diabetiker“ entwickelt. Mit dieser Schulung
wurden Diabetiker in die Lage versetzt, entsprechend der Bedürfnisse des
Alltags und des Berufes die Therapie entsprechend anzupassen. In den
Folgejahren wurde dann dieses strukturierte Schulungsprogramm in vielen stationären
Einrichtungen bundesweit eingeführt. Doch auch die Therapie veränderte sich.
Die Selbstkontrolle spielte eine immer wichtigere Rolle in der
Diabetikerversorgung. Damals wurden auch die ersten Insulinpumpen eingeführt.
Auch der Deutsche Diabetiker Bund hat sich in den Folgejahren als feste Einheit in der Versorgungskette für Diabetiker etabliert. In nahezu 1.000 Selbsthilfegruppen in 16 Landesverbänden und in den Mitgliedsorganisationen verfügt er über ein nahezu flächendeckendes Netz von Selbsthilfegruppen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich tagtäglich für die Betroffenen einsetzen. Der Deutsche Diabetiker Bund ist die einzige Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Diabetes, die in der Politik und bei den Institutionen Anhörung findet.